Interview mit Fesch & Frech

Nachdem das Jahr 2017 schon ein paar Tage alt ist, aber die Rückrunde der Regionalliga Bayern noch ein wenig auf sich warten lässt, habe ich die Zeit für einen Gegenbesuch bei den Leuten von Fesch & Frech genutzt. Die Gruppe hat sich aus Personen der ehemaligen Ultragruppe “Periferia Combattente” gebildet. Sie bezeichnen sich selbst als “Casuals” und sind bei Heimspielen im Westen der Südtribüne des Sportparks Unterhaching anzutreffen.
Seit einigen Wochen ist ihr eigener Blog unter https://fesch-und-frech.com/ zu finden.

Servus Fesch & Frech jetzt ist es auch mal Zeit für einen Gegenbesuch bei euch geworden.

1. Wie ist denn das losgegangen mit Fesch & Frech? Seit wann gibt es euch?

Die ersten Zügen liegen eigentlich schon weiter zurück als es unsere Truppe gibt. Die ersten Schritte in Richtung „Casuals“ begannen in Haching Mitte der Saison 08/09. Allerdings alles mehr oder weniger geprägt von einzelnen Stone Island Patches sowie dem damals noch gängigen Ultra-Stil mit der Bauchtasche und den Cargohosen. Ich denke ein besonderer Faktor warum in Unterhaching das ganze Ding mit der Mode so früh anfing sind die Kontakte zu verschiedenen Personen aus Norddeutschland, die durch ihre Nähe und wiederum anderen Kontakte in Richtung der Insel, doch mehr Ahnung hatten und somit auch Einfluss auf uns hatten. Fesch & Frech selbst gibt es nun seit September 2014. Mit der Auflösung der PC, wurde das ganze dann ein bisschen offizieller und gilt nun noch unter den eigenen Leuten als Aushängeschild für die restlich verbliebenen. In Wahrheit sind wir nur 4 Leute die offiziell dabei sind. Der Rest der auf den Bildern zu sehen ist oder mit uns unterwegs ist, gehört zum Umfeld. Wir haben da auch relativ hohe Ansprüche wenn jemand ernsthaft zu uns dazu möchte, denn nicht jeder der ein Ellesse Jäckchen trägt oder sich gerade eine gebrauchte Stone Island Jacke rausgelassen hat ist ein „Casual“. Ich denke immer das wir wahrscheinlich selbst bei Fesch & Frech keine echten Casuals sind, sondern starke Tendenzen dahin haben und es sich eben unter dem Begriff „Casuals“ einfach zusammenfassen lässt.

2. Was kann ich mir denn genau unter dem Begriff „Casual“ genau vorstellen?

Vor fachkundigen Personen kann ich mich bei dieser Frage ja fast nur blamieren. Die Meinungen gehen glaube ich, genauso wie beim Thema „Ultras“, weit auseinander. Für mich persönlich ist es eine Lebenseinstellung. Ich finde großen Gefallen am Thema „Fußball-Mode“ sowie dem britischen als auch dem italienischen Stil sich zu kleiden. Leider ist das in Deutschland bis heute nicht wirklich angekommen. Kaum einer kann was mit dem Thema anfangen außerhalb unserer Subkultur, und nichtmal dort alle. Ich könnte jetzt anfangen zu erzählen woher der ganze Kram stammt usw. aber das ist ja alles schon so oft durchgekaut worden und ich denke wer sich ernsthaft ein Bild davon machen möchte oder eben sich schon auskennt ist der Google-Suchmaschine mächtig. Unter normalen Fans wird man ja eher belächelt für diese Thematik sich am Spieltag in teure Klamotten zu werfen und um zuschauen das ich heute möglichst „best dressed“ meinen Verein vertrete. Wenn ich mir hierbei viele englische oder auch italienische Kurven anschaue, wäre ich was diese Sachen angeht doch lieber dort beheimatet als hierzulande. Fesch & Frech sollen auch kein Vorzeige-Lads sein, da wir doch oft auch einen eigenen Geschmack haben was verschiedene Klamotten angeht, aber ich würde mit Fug und Recht behaupten, dass wir für so eine kleine Szene doch schon teilweise einige schicke und adrette Typen dabei haben die sich sehen lassen können.

3. Wie passen Casuals und Fußball zusammen?

Es ist verdammt schwer Leute sowas näher zu erklären die damit keinerlei Berührungspunkte haben oder hatten .Wie vorhin schon angeschnitten, in Deutschland hat die ganzen Geschichte keine Tradition bzw. keine Historie. Besonders in England ist das ganze schon sehr miteinander verbunden. Wir gehen halt hier mit Trikots (zumindest der normale Fußballverbraucher) und Schals behangen ins Stadion. Mein Fall war das noch nie. Alleine durch meine Reisen in andere Länder und das Beobachten anderer Kulturen und Fanszenen, fühle ich mich schon viel mehr zum adretten und schicken Auftritt im Stadion hingezogen. Aber wer sich ein bisschen auch mit der Ultraszene  auseinander setzt weiß, dass das ganze Casual-Ding ja eh gerade sehr „gehyped“ ist vorallem durch Instagram und die ganzen sozialen Netzwerke.
Was mir persönlich gut gefällt, allerdings könnte ich oft an die Decke gehen was für Menschen sich als Casuals sehen oder bezeichnen, da einfach bei den allermeisten jeglicher Verstand von Mode und wie man Sachen kombiniert bzw. welche Sache wirklich gut aussehen, fehlt. Deswegen nehme ich auch bewusst immer ein wenig Abstand vom Wort „Casuals“, auch wenn es sogar auf unserer Seite als Defintion für uns steht.

4. Was sind eure genauen Ziele, was wollt Ihr erreichen?

Wirkliche Ziele gibt es von Fesch & Frech nicht. Wenn du so möchtest, ist es unser Ziel auch in nächster Zeit wieder möglichst viel Asche in teure Kleidung zu investieren um cool rüberzukommen. Nein, Spaß beiseite. Wir sind einfach eine kleine Gruppe aus Freunden die Gefallen an dieser Subkultur finden. Unsere Ziele liegen auf Unterhaching gesehen genau darin worin sich auch jeder andere Fan wiederfindet. Guter Fußball, Spaß im Stadion und auf Auswärtsfahrten. Bei uns kommt eben nur der Aspekt mit der Kleidung und dem Lifestyle hinzu.

5. Ultras geht es um Zusammenhalt in der Gruppe, um ein bestimmtes Verständnis von Support und sich bei gegnerischen Fans Respekt zu verschaffen. Um was geht es euch und seht ihr euch selbst überhaupt als Fangruppierung?

Wir sind ganz normale Fans der SpVgg Unterhaching mit Interesse für das Spiel und freuen uns über Siege oder ärgern uns über Niederlagen. Respekt von anderen Fans ist immer so eine Sache, weil wer hat schon Respekt vor Unterhaching? Aber wir gehen da ja auch mit der nötigen Selbstironie dran. Zu sagen bleibt das Fesch & Frech immer in allen Belangen bereit steht um unsere Kurve zu vertreten.

6. Ihr habt jetzt mit fesch-und-frech.com euren eigenen Blog im Internet gestartet. Kommen Fanzines nicht mehr gut an, oder wollt ihr gezielt Leute außerhalb von Unterhaching ansprechen?

Der Blog an sich ist eigentlich viel aus eigenem Interesse entstanden. Ich publiziere hier was mir in den Sinn kommt. Dass das zwangsläufig viel mit der Subkultur zu tun hat ist klar. Ein bisschen Selbstdarstellerei gehört aber auch immer dazu, dass ist ja bei allen anderen auch so. Ich glaube die Leute aus der Vorstadt die Interesse an uns haben sind eher beschränkt, das Interesse von außerhalb ist mir da schon etwas wichtiger. Ich will aber auch keinem der vielen zahlreichen Casual-Blogs nacheifern die in den letzten Jahren in Deutschland empor kamen. Viel mehr geht es hier um uns und unseren Verein. Klar werden wir auch zu einigen Sache zum Thema Modetrends oder ähnlichem immer mal wieder etwas Stellung beziehen aber nicht mit dem Ziel es anderen Leute näher zu bringen.

7. Gib uns doch mal einen kurzen Ausblick, was wird uns in Zukunft auf eurem Blog erwarten?

Ich glaube das Motto im Header beschreibt es ganz gut: Fußball, Mode und Lifestyle. Vor allem Geschichten die mit unserer Sache und Unterhaching zusammenpassen, sowie viel von den Reisen rund um den Fußball und sonstige Geschehnisse die man hierzu einordnen kann. Dein Interview war ja so ein bisschen der Startschuss um den Verein in den Fokus zurücken. Mir schwirren da noch viele Gedanken im Kopf rum mit was man so eine Seite ausbauen könnte. Aber Näheres sehen die Leute ja dann in Zukunft, wenn sie regelmäßig bei uns vorbeischauen.

8. Da eure Erlebnisse von Stadionbesuchen etc. handeln, schildert uns doch mal wie ein normaler Spieltag für euch abläuft. Habt ihr z.B. feste Treffpunkte, interne Regeln oder gemeinsame Rituale?

Da es ja leider derzeit keine organiserte „Ultra-Gruppe“ gibt, fällt das mit dem organisierten Spieltag immer ein bisschen flach. Bei Heimspielen, ausgenommen wichtigen Spiele, trifft man sich meistens vorher in der Stamm-Boazn auf ne Hoibe und geht meistens im Anschluss in Richtung Stadion. Dort wird das Spiel geschaut und danach wieder zurück in die Boazn. Auswärts ist es seit der Regionalliga eh ein bisschen zwangloser geworden. Auf irgendwelchen Dorfplätzen ohne Verantwortung für Material oder Abläufe von Busfahrten, kann man sich jetzt mehr gehen lassen. Nächstes Jahr wird’s dann wieder ein bisschen interessanter wenn wir aufsteigen sollte. Zum Glück! Einzige Regel: Keine Gespräche mit den Bullen!
Rituale: Auswärts lang ma uns gern a bissal o!

9. Thema Support in Unterhaching, wie schätzt ihr die aktuelle Lage ein und wo seht ihr Verbesserungsbedarf?

Die aktuelle Lage ist eine Katastrophe. Ich rette mich immer mit dem Gedanken über den Spieltag, dass die anderen Szenen ja hoffentlich wissen dass sich die Periferia aufgelöst hat. Das was zurzeit dort passiert, hat mit einer Kurve die strukturiert ist oder ernsthaft Ziele verfolgt absolut nichts zu tun. Es fehlt auch absolut die Hierachie und Personen die das Ganze führen und leiten. Zudem ist mir das zuviel „Bauchpinselei“ mit dem Verein was der „singenden Pulk“ dort veranstaltet. Eine Kurve sollte unabhängig und autonom von jeglichen Organen agieren können und sollen. Ich hoffe dass sich vorallem durch den sportlichen Erfolg wieder etwas neues bildet, damit wir auch in dieser Hinsicht auf Haching wieder etwas geben können, denn mehr als eine Notlösung kann und darf das nicht sein.

10. Lass uns mal einen kleinen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft werfen.
Was waren eure bisher schönsten Erlebnisse mit Unterhaching und was würdet ihr gerne noch erleben?

Also da kann ich nur für mich sprechen und nicht für die anderen Fesch & Frech Lads. Ich gehe jetzt regelmäßig seit der Saison 2004 zu Haching. Sportlich gesehen ging es nur bergab. Einziger Lichtblick waren die Toto-Pokal Erfolge sowie der knapp verpasste Aufstieg 2009. Wenn ich allerdings ein Spiel für mich herausnehmen sollte was ich für mich der Haching-Moment war und ist, dann der 2:1 Sieg über Fürth im bis heute letzten Heimspiel in der 2. Liga. Um es kurz auszuführen: Es steht 1:1 und meines Wissens nach (verbessert mich wenn ich falsch liege) wäre Haching schon an diesem Spieltag abgestiegen wäre es dabei geblieben. Kurzum Ceyhun Gülselam zimmert aus dem Halbfeld den Ball in der 88. Minute in den Winkel und der Sportpark steht Kopf. Sowas habe ich bis dato nicht mehr erlebt was dort an Emotionen und Leidenschaft geboten war. Das wir dennoch einen Spieltag später in Rostock die Liga verlassen mussten, macht es leider umso trauriger.
Um auf die Gegenwart bzw. Zukunft zu schauen bleibt zu sagen dass wir dieses Jahr aufsteigen sollten, damit es wieder interessanter wird. In allen Belangen.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und bis bald auf der Sütdribüne

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