Kein Bier ist auch keine Lösung (Kommentar)

…oder gebt das Bier frei!

Es ist Sommer und die Temperaturen klettern momentan auf dem Thermometer weiterhin munter nach oben.
Am Samstag morgen wird die kurze Hose und das Trikot aus dem Schrank gekramt und schon geht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Unterhaching.

Endlich hat auch das Wirtshaus am Sportpark nach langen Umbauarbeiten geöffnet und der Biergarten kann sich vor und nach dem Spiel wieder mit Leben füllen. Wenn auch Unterhaching nicht für vieles steht, aber gerade dieses Vereinsheim mit angeschlossenem Biergarten ist in der ganzen Fußballrepublik bekannt.
Dort kann man im netten Beisammensein seine Leute treffen und auch manchmal Fans der gegnerischen Vereine kennenlernen und sich mit Ihnen austauschen.
In Haching angekommen pilgert man mit seinen Freunden in Richtung Sportpark um sich mit dem einem oder anderem Bier auf das bald anstehende Spiel einzustimmen und um den Sorgen des Alltags zu entfliehen. Im Biergarten schließlich freut man sich mit halber Verwunderung über die leeren Bierbänke und reiht sich in die nicht vorhandene Schlange am Getränkeausschank ein.
Doch halt! Pustekuchen! – Risikospiel! – Heute nur alkohlfreies Bier!.
Warte….warte….warte….Haching + Chemnitz = Risikospiel? Risiko für wen oder was?
Ich gebe zu es könnten gewisse Schwierigkeiten bei der Verständigung auftreten, aber sonst?

Seit Februar 2013 ist in der DFB-Sicherheitsrichtlinie (welche auch für die 3. Liga Gültigkeit besitzt)
in § 23 Nr. 1 folgender Satz verankert.
Der Verkauf und die öffentliche Abgabe von alkoholischen Getränken sind vor und während des Spiels innerhalb des gesamten umfriedeten Geländes der Platzanlage grundsätzlich untersagt.
Aha, das heißt die frühere Erfolgsformel für einen gelungenen Ligaalltag:
Bratwurt + Bier + guter Fußball = geiler Nachmittag wurde klammheimlich abgeschafft.
Aktuell habe ich schätzungsweise mehreren hundert Spielen live im Stadion beigewohnt und kann mit Fug und Recht behaupten, manches davon hätte man nüchtern nur schwer ertragen können.
Ich frage mich in was ich meinen Schmerz beim Abstieg in Erfurt ertränken hätte können, oder mit was ich den Aufstieg in die 3. Liga hätte begießen sollen. Jaja man kann auch ohne Alkohol Spaß haben und Wasser trinken – im Wasser ficken Fische du Spaßbremse! Vielleicht hätte ich mir in diesen Situationen auch einfach einen Becher gezuckertes Wasser mit Fruchtspritzer hinter die Binde kippen sollen und vielleicht hätte mich daraufhin der anschließende Zuckerschock sanft aus den Schuhsohlen katapultiert.
Allerdings habe ich auch schon mal Fußball im Fernsehen geschaut. Ich glaube mich dunkel daran erinnern zu können, dass Spiele oftmals von ominösen Biersorten präsentiert wurden, welche zwar niemand freiwillig trinken würde, aber dennoch scheint der (übermäßige) Alkoholkonsum zu Hause oder in der Kneipe nicht das zentrale Kernthema dieser DFB-Richtlinie zu sein.

Noch ist nicht Ende im Gelände in § 23 der DFB-Sicherheitsrichtlinie und so heißt es weiter in Nr. 2 S. 1:
“Mit ausdrücklicher Einwilligung der örtlich zuständigen Sicherheitsorgane, unter maßgeblicher Einbindung der zuständigen Polizeibehörde, kann der Veranstalter auf seine Verantwortung hin, je nach örtlichen Gegebenheiten, ausnahmsweise den Ausschank von alkoholreduziertem Bier (mit einem Alkoholwert bis zu 3%), von Bier (mit einem Alkoholwert von nicht mehr als 5%) oder Getränken mit vergleichbar geringem Alkoholgehalt vornehmen.”

Aha, der Veranstalter kann ausnahmsweise Bier unter 5% ausschenken wenn er Lust hat.
Das Tegernseer, welches im Sportpark ausgeschenkt wird hat 4,8 %. Alles Palleti, lass ballern Mani!

Aber halt, so einfach scheint es dann doch nicht zu sein. “Mit ausdrücklicher Einwilligung der örtlich zuständigen Sicherheitsorgane” heißt die Polizei muss Wohl zustimmen, ob das bayerische Volk auch im Stadion ein Anrecht auf sein Grundnahrungsmittel hat.
Der Verein dürfte schon aus rein finanziellen Interessen kein Anliegen an einem Verbot von Bier am Spieltag haben. Bleibt nur noch die zuständige Polizei in Unterhaching, welcher wohl der Alkoholausschank an und im Stadion ein Dorn im Auge zu sein scheint.
Denkbar wäre dass sich Polizisten sich durch ihre neuen Uniformen sowieso schon blau genug fühlen und deshalb kein Bier mehr um sich haben wollen.
Aber Quatsch beiseite es geht natürlich wie man sich schon denken kann um das leidige Thema Gew… nein …. es ist der den jeder kennt – Rainer Wendt (Für alle die Ihn nicht kennen).
Richtig geraten es geht um Scharfmacher in der Politik.

Wodurch lässt sich zeigen dass man der härteste Hund im Zwinger ist? Eine klare Kante, Verbote und bloß keine Kompromisse. In den letzten Monaten haben sich diverse Politiker und Amtsträger nach jeden Fliegenfurz geradezu überschlagen mit Forderungen nach noch drakonischeren Strafen für Kleinstvergehen und Ordnungswidrigkeiten. Aber so funktioniert nun mal Politik, wer am lautesten brüllt gewinnt.
Das es teilweise egal ist was für ein Stuss vorne rauskommt, wenn man dabei nur martialisch genug auftritt, sieht man gerade im Herkunftsland des Restaurants zur goldenen Möwe.

Zurück zum Thema und zur Ausgangslage. Für die Politik und damit der Polizei als Exekutive führt der Genuss von Bier im Stadion zwangsläufig zu Gewalt und deshalb behält sich die Polizei vor, je nach Gegner den Ausschank von normalen Bier zu untersagen. Es macht den Anschein als wolle die Politik das angebliche Gewaltproblem vom Stadion ins heimische Wohnzimmer verlagern. Dann kann der Ehemann beim Fußball gucken Bier trinken und seine Aggressionen an der Ehefrau auslassen. Im Stadion ist davon dann wenigstens nichts mehr mitzubekommen.

Naja, zum eigentlichen Kernstück sollten mehre Dinge von der Obrigkeit mal bedacht werden:

  1. Wer gerne Bier trinkt wird sich vor dem Spiel mit Bier auftanken bis das alkoholfreie Bier während dem Spiel kompensiert ist. Man kommt auf gut österreichisch schon duttenzua zum Stadion. Bei normalen Ausschank verteilt sich immerhin die Bieraufnahme zeitlich und der Alkohol wird auch gleichmäßig wieder abgebaut.
  2. Für Leute die die Gewalt suchen ist Alkohol völlig kontraproduktiv. Ich glaube keiner der Klitschko Brüder hätte auch nur annähernd so viele Kämpfe gewinnen können, hätten sie sich vor jedem Kampf 3-4 Halbe Bier reingezogen. Alkohol macht Müde, Langsam und die Reaktionsschnelligkeit geht zurück.Wer kämpfen will trinkt entweder keinen Alkohol oder ist masochistisch veranlagt.
  3. Eine bessere Fantrennung als im Sportpark ist fast nicht möglich. Die gegnerischen Fans kommen entweder vom Norden aus dem Fasanenpark, oder gehen direkt vom angrenzenden Gästeparkplatz ins Stadion. Wenn man allerdings noch ein wenig Zeit und zudem Lust auf ein Bier hat, wird in andere Lokalitäten fernab des Stadions verlegt. Falls es doch mal zu Auseinandersetzungen kommen sollte, finden diese dann bestimmt nicht am und im Sportpark statt.
  4. Neben dem normalen Fan auf der Südtribüne wird auch der normale Fußballzuschauer auf der Haupttribüne damit bestraft. Ab mit Sohnemann ins Stadion 1-2 Radler trinken und einem spannenden Fußballspiel frönen. Alles möglich nur kein Bierchen für Papa oder Mama. Die Obrigkeit möchte dem 50 Jähren Mann erzählen, dass er nach einem Bier wohl möglich austicken und die Tribüne in klassischer Hulk-Manier kurz und klein hauen könnte. Zu bedenken ist auch, dass hier bewusst oder unbewusst Feindbilder aufgebaut werden.”Der Fan im Heim- oder Auswärtsblock ist schuld das ich kein Bier bekomme.”
  5. Beim Betreiber des Biergartens und der Vereinsgaststätte steht sogar wohl möglich die Existenz auf dem Spiel. Um eine erfolgreiche Gastronomie betreiben zu können, ist er auf wiederkehrende Kundschaft und positive Mund-zu-Mund Propaganda angewiesen. Wenn die Gäste ausbleiben kann es ganz schnell dazu führen, dass der Betreiber seinen Laden aufgeben muss, oder im Extremfall sogar insolvent wird. Beispiele von ehemaligen Pächtern in jüngster Vergangenheit gibt es hier leider genug. Wenn ich weiß das es kein vernünftiges Bier am Stadion gibt, gehe ich vorm Spiel lieber in ein anderes Lokal.
  6. Der Verein lebt durch seine Fans finanziell und ideell. Ein Verein ohne Fans ist nichts.Viele Fans machen den Verein interessant, lebendig und locken Sponsoren an. Sind Fans verstimmt, bleiben sie aus oder kommen erst gar nicht bzw. nicht noch einmal und das macht den Verein für potentielle Sponsoren wiederum uninteressant.
  7. Die SpVgg Unterhaching hat zwei verschiedene Biersponsoren. Man sponsort im Normalfall einen Verein um sein eigenes Produkt einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und um es bekannter zu machen. Wenn das allerdings durch die Obrigkeit versagt wird,können durch das Ausschenken der Marke keine Synergien gewonnen werden und das Sponsoring wird unlukrativ bzw. ist nicht werbeträchtig.
  8. Es wird wird bei ausschließlich jeder Mannschaft aus den neuen Bundesländern der Ausschank von normalen Bier untersagt. Das ist zum einen stark diskriminierend und stellt jeden Fan einer Ostmannschaft automatisch unter Generalverdacht ein potentieller Gewalttäter zu sein.

Damit ist allerdings noch nicht Schluss in § 23 der DFB-Sicherheitsrichtlinie geht noch weiter und so heißt es in Nr. 2 S. 2:

Für die Einwilligung hat der Veranstalter begründet darzulegen, dass alkoholbedingte Ausbrüche von Gewalt und Ausschreitungen von Zuschauern nicht zu befürchten sind, wobei die Erkenntnisse der Polizei einzubeziehen sind. Die erteilte Einwilligung wird widerrufen, wenn aufgrund
alkoholbedingter Ausschreitungen weitere Vorfälle zu prognostizieren sind.

Und jetzt mal Butter bei die Fische, wer kann sich an eine körperliche Auseinandersetzung in den letzten Jahren in und am Sportpark erinnern?
Google und ich mich jedenfalls nicht. Gesichert ist das 85 Fans der SpVgg durch die Polizei “beobachtet” werden. (Link zum nachlesen)
Was das auch immer heißen mag. Soviel sei zumindest gesagt, es entbehrt jeder Grundlage, da anscheinend jeder in diese Liste kommt, der mal im Stadion im Takt mitgeklatscht hat.

Wenn also der einzige Grund ist, dass 85 Leute in der Südtribüne im Rythmus geklatscht haben um die Mannschaft anzufeuern und deshalb der Ausschank von Vollbier untersagt wird, weiß ich auch nicht mehr weiter.

Meiner Meinung nach gibt es keinen vernünftigen Grund um den Ausschank von Vollbier im Sportpark zu untersagen.
Es kann sein dass durch Alkohol die Hemmschwelle senkt und der Einzelne etwas Unüberlegtes tut (Wie gesagt in Haching ist in den letzen Jahren nichts passiert),
aber dann seid wenigstens so konsequent und verbietet den Ausschank in jeder Disco und jedem Volksfest (nächsten Monat geht da z.B. eins im Nachbarort namens Oktoberfest los, auf dem jedes Jahr einige Gewaltdelikte zu verzeichnen sind).

Für freie Selbstbestimmung und Bier!

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